Sturm über Brandenburg

1858 • • • 2001 • • • 2018

Rabenschwarze Gewitterwolken zogen auf. Kein Zweifel: Ein Sommergewitter stand bevor. Wir waren in Brandenburg auf einem ehemaligen russischen Truppenübungsplatz. Die Armee war abgezogen und die Natur durfte sich auf der Fläche wieder frei entwickeln. Ich saß im Wagen und studierte Karten und Luftbilder.

Was sich dann urplötzlich ereignete, lässt sich kaum beschreiben: Als erste Äste brachen, versuchte ich noch zu entkommen, doch dem setzten umgestürzte Bäume ein schnelles Ende. Ein Sturm fegte mit aller Gewalt über meine Kollegen und mich hinweg. Hundertjährige Stämme brachen wie Streichhölzer und wurden durch die Luft gewirbelt. In Sekunden lagen um uns herum mehrere Hektar Wald am Boden.

Wie durch ein Wunder blieben wir unbeschadet und kletterten aus dem eingekeilten Fahrzeug. In wenigen Minuten hatte der Sturm eine ganz eigene Waldentwicklung herbeigeführt.

Christof Schenck ist Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Der leidenschaftliche Biologe tauscht regelmäßig den Schreibtisch gegen Gummistiefel und Fernglas. Ehemalige Truppenübungsplätze sind ideale Entwicklungsflächen für Wildnis in Deutschland.